Auf kurzer Spritztour bin ich unterwegs von Anklam nach Usedom auf Usedom. Einen Ortstermin am Vorabend nutzend habe ich mein Zelt im Grünen aufgestellt, jedoch in Sichtweite der von den zwei Kirchen dominierten Anklamer Altstadt.

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Anklamer Altstadt im Abendlicht.

Mein Kurzboot (ein Nortik Scubi 1) ist in Windeseile aufgebaut und lässt sich auch im verkrauteten Tümpel noch ganz gut fahren. Allerdings hat es frappierend wenig Platz für Gepäck, sodass ich das Gepäck zwar verstaut kriege, aber den zugehörigen Rucksack dann doch auf den Rücken nehmen muss.

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Kajakstummel am bewachsenen Tümpel.

Nach einer kurzen - Mittsommer ist nicht weit - und kühlen Nacht geht es früh raus auf die Peene. Im Morgenlicht liegt die Wasserfläche nahezu unbewegt, auch Boote lassen sich um diese Zeit noch nicht sehen.

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Am Morgen liegt die Peene ganz glatt und still da.

Einzig ein paar Angler sitzen in vor Anker liegenden Booten in Schilfbuchten und versuchen ihr tückisches Spiel am arglosen Wassergenossen.

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Stille und Frieden liegt über der Landschaft

Nach einigen Kilometern mündet die Peene in den Strom, einen der drei Abflüsse des Stettiner Haffs. Dort kürzt der Richtgraben die letzte, völlig zugewucherte Peenewindung ab und gibt den Blick auf die Zecheriner Brücke frei.

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Auf alten Begrenzungspfählen wuchern neues Grün

Ich wende mich nach Süden auf dem ebenfalls nahezu unbewegten, aber doch immerhin leicht fließenden Strom. Bald erreiche ich Anklamer Fähre, einen der vielen Fährorte am Strom, wo traditionell Reisende und Waren von und nach Usedom übersetzten. Heute gibt es eine Personenfähre von Kamp nach Karnin, etwa zwei Kilometer stromauf.

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Entlang des Peenestroms gibt es mehrere alte Fährstellen, hier Anklamer Fähre.

Dort kreuzte auch die 1875 erbaute Eisenbahnstrecke Ducherow-Heringsdorf den Peenestrom und verband so Berlin mit den insulanischen Heilbädern. Die dort installierte Drehbrücke erstetzte man 1933 im Rahmen eines zweigleisigen Ausbaus gegen eine Hubbrücke und führte regelmäßige Direktverbindungen von Usedom nach Berlin, Dresden und Brenzlau ein. Die Züge seien stets voll gewesen, so erinnern sich Zeitzeugen.

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Die Hubbrücke von Karnin

Am 29. April 1945 wurden jedoch die Zuführungsbrücken durch auf dem Rückzug befindliche deutsche Truppenge gesprengt, um den Anmarsch der Russen aufzuhalten. Die Hubbrücke selbst wurde verschont und nur nach oben gezogen, um der verbliebenen deutschen Marine einen Abzug aus dem Stettiner Haff zu ermöglichen. So stand die Hubbrücke, nachdem die Zuführungsbrücken recht bald beseitigt waren, als weithin sichtbares Tor für lange Zeit.

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Auch dort Begrenzungspfähle und Mauerwerk gelitten

Nach der Wende wurde sie fast abgerissen, jedoch auf Betreiben der Bürger unter Denkmalschutz gestellt. Eine Bürgerinitiative propagiert seit fast dreißig Jahren vehement die Wiederinbetriebnahme der Strecke mit Ersatz oder Wiederinbetriebnahme der Brücke und wirbt mit einer Verbindung Berlin-Usedom in zwei Stunden.

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Man kann gut das zweigleisige Hubsegment und das Wärterhäuschen nebenan erkennen

Nach ausführlicher Begutachtug (Zutritt leider verboten, aber Kanuten kommen wenigstens so nah ran wie sonst keiner…) setze ich meinen Kurs den Strom hinauf fort. Das ab Karnin aufweitende Haff und der aufkommende Wind erzeugen jedoch recht schnell unangenehmen Wellengang. So habe ich mit meiner kleinen Schaluppe selbst in der Nähe des Schilfgürtels ganz gut zutun, gerade die parallel zur Fahrtrichtung einlaufenden kurzen Wellen schütteln mich gewaltig durch.

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Mit auffrischendem Wind werden die Wellen schnell höher

Nach weniger Kilometern biege ich in den Usedomer See ab, ein von der Insel fast vollständig umschlossenes Gewässer. Dort nehmen Wellen und Wind rapide ab und ich dümpel die letzten Kilometer durch flaches schilfumstandenes Wasser. Inzwischen ist es sehr heiß geworden, sodass ich am fast fertig gestellten Hafen von Stadt Usedom mein Boot zusammenfalte und mich auf den Heimweg mache.

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Die Kirche von Usedom