Der Iwate-san (岩手山) ist ein 2038m hoher Stratovulkan in der Präfektur Iwate, und zugleich ihr höchster Berg. Er liegt nordwestlich der Stadt Morioka am Rande der Ou-Berge und gehört nach einem Buch von Kyuka Fukada zu den 100 berühmten Bergen Japans.

Meine kurze Wanderung über den Iwate-san führt von Südosten den Berg hinauf, und im Nordosten wieder hinab.

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Auf- und Abstiegsroute.

Aus dem Zug von Akita ist der Berg von Süden aus mit einem Wolkenkranz, aber freiem Gipfel zu sehen. Das gibt mir Hoffnung auf etwas Sicht vom Gipfel aus.

Die durch heftige Regenfälle zuvor etwas außer Plan laufende Anreise bringt mich schließlich per Taxi von Takizawa zum Wandereinstieg. Auf 10km Straße aufgrund fehlenden Busverkehrs habe ich dann doch keine Lust.

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Ein unverhüllter Gipfel lässt auf gutes Wetter hoffen.

In Umagaeshi, einem Zeltplatz mit Pärkmöglichkeit, Toiletten und Wasser auf 600m sieht das Wetter schon etwas weniger verlockend aus, trotzdem begebe ich mich auf den Pfad.

Bald bin ich vom Bergwald umfangen, an den Seiten des Weges gedeiht viel mir unbekanntes Grün.

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Hübsche Blüten, bestimmt was total besonderes.

Tropisch anmutende Blumen und anderes Grünzeug begleiten meinen Aufstieg.

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Interessantes Gewächs am Wegesrand

Über teils recht unwegsame und ausgewaschene steinige Abhänge windet sich der Weg steil den Berg hinauf. Irgendwann erreiche ich auch die Unterkante der Wolken und es beginnt zu nieseln.

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Nebliger Aufstieg über ausgewaschene Steinschütten.

Aus dem Tal sind jetzt laute Explosionen zu hören. Kurz bin ich verunsichert, Gewitter hört sich anders an und eine spontane Vulkaneruption käme wohl auch eher von oben. Die Explosionen schallen laut von den umliegenden Bergen zurück, und machen eine irgendwie unheimliche Atmosphäre. Entgegenkommenden Wanderern, natürlich des Englischen nicht mächtige Japaner, entlocke ich ein no problem in Bezug auf die Geräusche, und setze meinen Weg so etwas beruhigter fort.

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Manche Blüten wirken sehr exotisch…

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…andere sind gewöhnlicher schön.

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Die Wolken werden nach oben hin nur dichter

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Mein Laienurteil: Edelweiß. Vielleicht habe ich ja Recht.

Regen und Schweiß durchnässen mich zusehends, und die Vegetation rückt mit abnehmendem Baumbestand dichter in den Weg hinein. So ziehe ich irgendwann das Regencäpe zumindest über den Rucksack, um den Inhalt nicht völlig zu durchnässen. Irgendwie hatte ich mir das vom ersten Anblick her anders vorgestellt.

Dann flacht der Weg ab und ich erreiche eine Hütte, verweile aber im Nieselregen nur kurz, um meine Wasservorräte aufzufüllen.

Die letzten 250 Höhenmeter hinauf zum Gipfel laufe ich durch Krüppelkiefern und einen steilen Anstieg hinauf. Dann stehe ich im Nebel zwischen Stelen und Steinen, vor mir führt ein Weg leicht bergab.

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Ein Weg führt durch die Caldera an einem Schrein vorbei.

Exkurs: Strato- und Somma-Vulkane

Ein Strato- oder Schichtvulkan ist das, was man sich gemeinhin unter einem Vulkan vorstellt. Spitzer Kegel, steht er in der Landschaft rum. Wenn die unter dem Kegel befindliche Magmakammer in sich zusammen, entsteht eine Caldera, die nicht mit einem Krater zu verwechseln ist.

Ist der Vulkan weiterhin aktiv, kann in der Caldera ein neuer Vulkankegel enstehen. Dieses Gespann heißt dann Somma-Vulkan und ist nach dem Monte Somma benannt, in dessen Caldera der Vesuv steht.

Was hat das alles mit dem Iwate-san zutun?

Meiner bescheidenen Laienmeinung nach handelt es sich beim Iwate-san um drei Generationen eines Vulkans. Der Älteste hat eine langestreckte Ost-West-Caldera, in deren Ostteil sich ein neuer Kegel gebildet hat. Dieser hat eine Caldera von etwa 500m Durchmesser, in deren Mitte sich wiederum ein 60m hoher Kegel gebildet hat.

Die höchste Erhebung befindet sich auf dem Nordwestrand der inneren Caldera.

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Übernachten in dichtem Nebel.

Meinen Tag beschließe ich auf dem Boden der inneren Caldera, nicht weit entfernt vom Schrein. Nebel und Regen halten an und ich esse mein mitgebrachtes Ekiben und lege mich schlafen.

Am nächsten Morgen wache ich vor Sonnenaufgang auf und steige die restlichen knapp einhundert Meter zum Gipfel auf. Im Tal glänzen die Lichter der Umgebung und zwischen den Wolken zeigt sich ein erster Schein.

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Vor Sonnenaufgang glänzen die Lichter von Morioka im Tal.

Obwohl der Horizont nur teils frei ist und hohe Wolken bis zum Horizont reichen, findet die Sonne ihren Weg auf den Gipfel.

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Durch eine Lücke zwischen den Wolken scheint die Sonne auf die Wolken im Tal.

Ganz allein genieße ich die Ruhe und Aussicht auf den Sonnenaufgang. Langsam werden die Wolken und Berge in der Umgebung in goldenes Licht getaucht. Der Schatten des Iwate-san zeichnet sich im Südwesten deutlich gegen den Horizont ab.

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Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten den Gipfel und malen den Umriss des Iwate-san in die Landschaft

Im Nordwesten ist ein markanter Berg zu sehen, offensichtlich auch ein Vulkan. Von ankommenden Wanderern erfahre ich später, dass es der Iwaki-san in der Provinz Aomori ist.

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In der Ferne steht der Iwaki-san in der Morgensonne.

Im Westen schweift der Blick über die langgestreckte äußere Caldera, die von Wald bedeckt ist und einen See beherbergt.

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Eine Wanderung um die Caldera zurück zum Zelt beschert mir ein Frühstuck am Zelt, mit meinem Gepäck mache ich mich dann über den Gipfel auf den Weg nach Westen, um in nördlicher Richtung abzusteigen.

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Blick über die Caldera und den neuen Vulkankegel in Richtung Morioka.

Die steinigen Abhänge sind an vielen Stellen mit Blumen übersäät. An der Ostfseite kann man den Berg bis weit hinab ins Tal sehen, die steile und relativ glatte Flanke kenne ich so von nicht-Vulkanen nicht.

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Vor allem auf steinigen Abhängen wächst diese Blume.

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Die steile Flanke des Berges reicht gerade bis ins Tal hinab.

Der Abstieg nach Westen führt über einen steinigen Weg, schnell nimmt die Vegetation zu. Durch nächtlichen Regen und Tau sind die Büsche voller Wasser, so dass ich mir Regensachen anziehen muss. An einer Schutzhütte teilt sich der Weg. Während der Abstieg gut zu begehen und leidlich frei ist, ist der Pfand durch die Caldera reichlich zugewuchert. Zumindest bei Feuchtigkeit ist dar Durchschlagen sicher kein Spaß. Ob das nach den ersten Metern besser wird, habe ich nicht untersucht.

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Bergketten im Morgendunst

Anfangs führt der Pfad durch den Wald, traversiert jedoch irgendwann ein steiles Geröllfeld. Der stark abschüssige Weg ist ausgewaschen und besteht aus kleinem Kies, sodass der Ab- und sicherlich auch Aufstieg durchaus trittsicherheit verlangen. Deutlich habe ich dort das fehlende Profil meiner alten Wanderschuhe gespürt.

Pünktlich 8:00 Uhr setzten auch die Explosionen im Tal wieder ein, diesmal noch deutlich lauter zu hören. Einem leiseren Knall folgte ein lauter Schlag wenige Sekunden später, so vermute ich Militärübungen hinter diesen Explosionen. Zusammen mit dem mich umgebenden Nebel und den Schießübungen ist es doch relativ ungemütlich, ich verzichte also auf Pausen und erreiche so schnell flacheres Gelände. Zwischendurch treffe ich einige Schüler, die in Schuluniform und ohne Rucksack auf dem Aufstieg sind. Ein paar Englischbrocken können sie, und von meinen dürftigen Japanischkenntnissen sind sie durchaus überrascht, aber eine richtige Kommunikation kommt irgendwie nicht zustande.

Weiter unter gibt es ein Feld, wo der Iwate im Jahr 1719 (andere Quellen behaupten 1732 - ich weiß es nicht…) bei einem Ausbruch einen Lavafluss bis ins Tal geschickt hat. Dieser Lavafluss ist nun erodiert und liegt als Feld schwarzer Steine fast unbewachsen auf dem Hang.

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Der Iwate-san erhebt sich über dem Lavafeld von 1719

Wenig später befinde ich mich dann auf einem Wander- und Ausflugsparkplatz. Auch hier gibt es keinen Bus, Taxen sind auch nirgendwo zu sehen, so mache ich mich auf den Weg ins 7km entfernte Städtchen Hachimantai. Zwischendurch versuche ich zu trampen, aber ein Europäer mit Bart ist wohl für Japaner eine zu große Herausforderung.

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Nach knapp drei Stunden befinde ich mich wieder im fruchtbaren Tal

Dafür erlebe ich ein bisschen ländliche Kultur in Japan. Zwischen Reisfeldern und Dörfern wandere ich zur Bahnstation, wo ich durch Glück gar nicht lange auf einen Zug warten muss.